Geschlechtsspezifische Präferenzen zu Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs) zur Diagnose und Behandlung von psychischen Erkrankungen
Psychische Erkrankungen sind eine Hauptursache für berufliche Fehltage. Gleichzeitig sind von den meisten psychischen Erkrankungen Frauen häufiger betroffen als Männer. Der aktuelle Engpass von Therapieplätzen betrifft daher besonders Frauen. In letzter Zeit werden digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) immer öfter als eine Möglichkeit gesehen, diese Wartezeiten zu überbrücken oder Therapien ganz zu ersetzen.
Im Rahmen des Das Projekt versucht mithilfe von innovativen Methoden aus der Marktforschung herauszufinden, ob Frauen andere Präferenzen in Bezug auf solche DiGAs besitzen als Männer.
Zusammenfassung der Studienergebnisse
Zielsetzung: Es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Bezug auf die psychischen Probleme, mit denen sie typischerweise konfrontiert sind. Das Ziel dieser Studie ist es, geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Präferenzen für Behandlungsoptionen bei Digitalen Anwendungen im Gesundheitssystem (DIGAs)zu beschreiben.
Methoden: Für die Studie wurde eine landesweit repräsentative Stichprobe von 2.108 Teilnehmer:innen (53% weiblich) im Alter von 18 bis 74 Jahren mittels einer Choice-Based-Conjoint-Analyse (CBCA) befragt. Dabei bewerteten die Teilnehmer:innen insgesamt zwanzig Auswahlsets, die jeweils aus drei Behandlungsvarianten bestanden, die sich hinsichtlich Anbieter, Inhalt, Kosten und Wartezeit unterschieden.
Ergebnisse: Bei der Wahl zwischen den Behandlungsoptionen erwies sich der Preis mit einer relativen Wichtigkeit (RI) von 55% als der wichtigste Faktor, gefolgt vom Anbieter (RI = 31%), dem Inhalt (RI = 10%) und der Wartezeit (RI = 4%). Es wurden kleine, aber statistisch signifikante Unterschiede zwischen Frauen und Männern festgestellt. Frauen legten mehr Wert auf den Anbieter, während Männer mehr Wert auf die Kosten und die Wartezeit legten. Alter und frühere Erfahrungen mit Psychotherapie- und Gesundheits-Apps standen in einem systematischen Zusammenhang mit den individuellen Präferenzen, änderten jedoch nichts an den Geschlechtereffekten. Nur eine Minderheit von etwa 8% der Teilnehmer:innen bevorzugte KI-basierte Behandlungen gegenüber menschlichen Therapeut:innen. Teilnehmer:innen, die bereits eine mobile Gesundheits-App genutzt hatten, bevorzugten eher KI, während jene, die bereits eine Psychotherapie absolviert hatten, KI eher nicht bevorzugten.
Diskussion: Insgesamt bevorzugen Männer und Frauen erschwingliche Apps, die von menschlichen Therapeut:innen betrieben werden. Um eine breite Akzeptanz zu erreichen, sollten sich Apps für psychische Gesundheit auf diese Dimensionen konzentrieren.